Link zur Startseite

Kontaktrecht (früher Besuchsrecht)

Vater & Sohn © Shutterstock
Vater & Sohn
© Shutterstock

Mit der Reform des Kindschaftsrechts sind seit 1. Februar 2013 neue Regelungen in Kraft getreten. Sie betreffen vor allem minderjährige Kinder, deren Eltern sich getrennt haben. Die neue Familiengerichtshilfe, die Reformierung des Besuchsrechts (nun Kontaktrecht) und die Person eines Besuchsmittlers bzw. einer Besuchsmittlerin sollen dazu beitragen, dass es eine größere Beteiligung des Elternteils gibt, mit dem das Kind nicht zusammenlebt - sofern dies im Interesse und zum Wohl des Kindes ist. All diese Maßnahmen dienen der Verbesserung und Beschleunigung gerichtlicher Verfahren und sollen helfen, Eskalationen zwischen Familienmitgliedern zu vermeiden.


Familiengerichtshilfe
Die Familiengerichtshilfe unterstützt das Gericht (auf dessen Antrag) in kindschaftsrechtlichen Verfahren, wenn es um die Obsorge und die persönlichen Kontakte geht. FamiliengerichtshelferInnen sind Fachkräfte aus dem Bereich der Sozialarbeit, Pädagogik und Psychologie. Außerhalb des Gerichtssaales holen sie Informationen bei den jeweiligen Familien ein und führen vermittelnde Gespräche zwischen streitenden Parteien, um eine einvernehmliche, möglichst schnelle Lösung zu fördern. Dem Gericht geben sie Stellungnahmen dazu ab, welche Regelung dem Kindeswohl am ehesten gerecht würde.


Neues Kontaktrecht (früher: Besuchsrecht)
Lebt ein Elternteil mit dem minderjährigen Kind nicht im gemeinsamen Haushalt, so haben das Kind und dieser Elternteil das Recht auf regelmäßige und persönliche Kontakte miteinander. Die Ausübung dieses Rechts sollte grundsätzlich einvernehmlich zwischen beiden Elternteilen und dem Kind geregelt werden. Ist dies nicht möglich, entscheidet das Gericht auf Antrag in einer dem Wohl des Kindes entsprechenden Weise.

Die Regelung hat die Anbahnung und Wahrung des besonderen Nahverhältnisses zwischen Eltern und Kind sicherzustellen und soll möglichst sowohl Zeiten der Freizeit als auch die Betreuung im Alltag des Kindes umfassen.
So soll das Kontaktrecht nicht nur bloß an Wochenenden stattfinden, vielmehr soll sich der andere Elternteil auch am Alltagsleben des Kindes beteiligen wie z.B. durch Unterstützung beim Lernen und den Hausaufgaben.
Das Alter, die Bedürfnisse und die Wünsche des Kindes sowie die Intensität der bisherigen Beziehung sind besonders zu berücksichtigen.

Das Kontaktrecht ist nicht bloß ein Recht, sondern auch eine Pflicht. Seit 2013 kann das Kontaktrecht nun auch vom Kind gegenüber den Elternteil eingefordert werden, was bis dahin nicht möglich war.
Sofern im Kindeswohl gelegen, kann das Kontaktrecht nunmehr auch gegen den Willen des kontaktberechtigten Elternteils vom Gericht geregelt und durchgesetzt werden - etwa durch gerichtliche Verweise oder Geldstrafen. Dies ist möglich, wenn der kontaktberechtigte Elternteil zum Nachteil des Kindes den persönlichen Kontakt unterlässt.

In solchen Verfahren kann das Gericht "BesuchsmittlerInnen" einsetzen. Dies sind vom Gericht bestellte Fachkräfte de Familiengerichtshilfe aus der Psychologie, Pädagogik und Sozialarbeit. Sie sind maßgeblich daran beteiligt, das neue Kontaktrecht praktisch umzusetzen - und zwar direkt vor Ort. Sie sollen darauf achten, ob und wie der Kontakt von beiden Seiten eingehalten wird und die bei Konflikten vermitteln.
Das Gericht kann die Besuchskontakte einschränken, wenn das Wohl des Kindes gefährdet ist oder in besonderen Fällen auch festlegen, dass Besuche nur im Beisein Dritter erfolgen dürfen.
Minderjährige ab dem vollendeten 14. Lebensjahr können selbst Anträge stellen und selbstständig vor Gericht handeln.

Das Kontaktrecht besteht unabhängig davon, ob der nicht obsorgeberechtigte Elternteil seinen Unterhaltspflichten nachkommt oder nicht.
Jeder Elternteil hat alles zu unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zum anderen Elternteil beeinträchtigen oder dessen Aufgaben erschweren könnte. Dieses "Wohlverhaltensgebot" dient dem Kindeswohl und bedeutet, dass der andere Elternteil dem Kind gegenüber beispielsweise nicht schlecht gemacht werden soll.

Ist die Durchsetzung des Kontaktrechts problematisch, z.B. wenn längere Zeit keine Kontakte stattgefunden haben, kann das Gericht auf Antrag oder von Amts wegen eine Besuchsbegleitung anordnen. Auch können sich die Eltern aufgrund einer privaten Vereinbarung für eine Besuchsbegleitung entscheiden. Betreut werden die Eltern und das Kind durch eine fachlich geeignete, neutrale und objektive Person. Das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz fördert Besuchsbegleitungen in Besuchscafés. Weitere Informationen erhalten Sie auf dem Portal Externe Verknüpfung www.besuchscafe.at  .

 

War diese Information für Sie nützlich?

Danke für Ihre Bewertung. Jeder Beitrag kann nur einmal bewertet werden.

Die durchschnittliche Bewertung dieses Beitrages liegt bei ( Bewertungen).